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Schulung SPO St.Peter-Ording

Pilotenschein-Kurs Tag 2+3

Hinweis: mein Dank geht an Andreas A., der mir zahlreiche Fotos und Videos zur Verfügung stellte.

Zuerst das Video von Tag 2 des Pilotenkurses:

Das gute Wetter hielt an. Es war schön sommerlich warm und der Wind war sehr gut. Wir trafen uns alle wieder im Hafen des YCSPO vor dem Wagen der Nordsport Strandsegelschule.

Segellehrer Daniel erklärte uns zahlreiche Dinge zum Revier und zum Ablauf auf der Sandbank. Während viele Trainings auf der Regattabahn A (der Plate) stattfinden, war für uns angehende Piloten heute Regattabahn B, die große Sandbank vorgesehen.

Zuvor gab es aber noch eine detailierte Einweisung in die Segelwagen. Sicherheit geht vor! Vor jeder Fahrt ist ein Pre-Check der Ausrüstung vorzunehmen, nicht das z.B. eine lose Schraubenverbindung zu Unheil führt. Alles schon mal passiert in der Vergangenheit.

Anschließend wurden die Segelwagen aneinander gereiht und dann ging es raus aus dem Hafen.

So ein Blokart Segelwagen ist in SPO eher selten zu sehen, glaube ich.

Angekommen drausen auf der Sandbank werden die Segel gehisst. Es ist wie beim Windsurfen oder Laser segeln, einfach das Segel über den Mast streifen, zack – fertig! Alte Erinnerungen wurden bei mir wach.

„Die Piste“

Da hinten ist das Auto um die Wendeflage im Süden zu stellen. Nicht zu erkennen? Ich zoome mal ran …

Wer glaubt wir wären alleine hier draussen, der täuscht. Wir müssen immer großen Abstand zu Fußgänger wahren, also Augen auf!

Wir segeln in diesem Klasse 5 Promo Strandsegler. Der Wagen ist sehr solide gebaut und schwer. Er kann viel Wind ab und verzeiht gut Anfängerfehler, also optimal für den Schulbetrieb.

Was für ein Anblick … diese Weiten!

Aber, vorher natürlich noch einmal eine Einweisung von Daniel für uns zu diesem Kurs. Die Sandbank hat andere Herausfordungen als die Plate. Priele können tiefe Kanten haben. Es gibt im Sand Löcher durch Strudel in die man nicht reinfahren sollte, und … und … und …

Größere Ansicht: (full screen)

Speed max: ca. 65 km/h
Strecke: 8,1 km

Das Speedprofil nach Entfernung und Zeit:

Nach der Sandbank wurden wir auf die Plate, die Regattabahn A, gezogen. Dort fuhren wir auch noch einen schönen Kurs ab, wie man hier sehen kann.

Größere Ansicht: (full screen)

Speed max: ca. 45 km/h
Strecke: ca. 4,5 km

Das Speedprofil nach Entfernung und Zeit:

Mal zum Vergleich hier der GPS Track von unserer Abschleppfahrt zurück in den Hafen.

Größere Ansicht: (full screen)

Speed max: ca. 22,7 km/h
Strecke: ca. 2,5 km

Das Speedprofil nach Entfernung und Zeit:

Das Segeln, die Praxis, war aber nicht alles an diesem Tag. Im Hafen wartete Sven noch auf uns und es gab noch viel Theorie zum Pilotenschein. Da wir mit diesen „Führerschein“ auch an internationalen Segelregatten teilnehmen dürfen, wurde uns hier z.B. die Beflaggung in einer Regatta näher gebracht. Mehr Details haben wir zum Nachlesen in unseren Kursheften, deren vorzeitiges Studium dringend angezeigt war. Es beinhaltet recht viel Stoff, der über die Jahre sehr zugenommen hat. Da ich mich schon vor vielen Jahren für das Strandsegeln interessierte, hatte ich eine Kopie (Download hier bei der Klasse5 Website) von Anfang der 90er Jahre, ein Witz zu der heutigen Pflichtlektüre.

Der Zufall ergab das ein Segelwagen der Klasse Standard segelbereit aufgeriggt im Hafen stand. Sven Harder erklärte uns sogleich deren spezielle Besonderheiten.

Während unsere Segelwagen runde Masten haben, fahren die großen Segelwagen der Klasse 2 und 3 profilierte Masten, die den Vortrieb weiter erhöhen. In der Standard Klasse wird mit Kunststoffmanschetten die vom Segeltuch umgeben sind ein ähnlicher Effekt, ein ähnliches Profil, erzeugt. Guter Trick.

Gegen das Licht kann man die Manschette hier sehr gut erkennen. Ein toller Trick, finde ich.

Das kleine Lenkrad mag täuschen. Es dient nur beim Start, wenn der Wagen angeschoben wird. Ansonsten wird der Wagen wie sonst üblich mit den Füßen gesteuert.

Ansonsten finde ich die Standard Klasse optisch auch sehr schick. Recht schnell soll sie obendrein auch sein. So ein Ding würde ich sehr gerne mal als Vergleich segeln wollen.

[update] Hier ein schönes Video mit vielen Standard Seglern bei der Euro Trophy auf Terschelling, Holland im November 2021. Da geht Tempo 90 mit den Dingern, beachtlich.

Nun lagen zwei von drei Kurstagen bereits hinter uns, ein weiterer sollte noch folgen.

Pilotenkurs Tag 3

Nach den zwei tollen Tagen war ich an Tag 3 ein wenig enttäuscht. Ich hatte sehr gehofft wieder mit dem Strandwagen zu segeln, doch dazu kam es leider nicht.

Im nachhinein wurde mir das dann klar. Die Schule hat drei Tage Zeit um den Kurs mit Theorie und Praxis zu füllen. Wind ist nicht immer garantiert und da muss sie sich flexibel halten. Da wir zwei windreiche Tage gleich zu Anfang in dem Zeitfenster nutzen konnten, mussten natürlich noch die Theorie Einheiten kommen. Nicht zu vergessen die theoretische Prüfung (in der Praxis haben wir uns wohl alle bewährt).

Ob wir bestanden hatten wussten wir am Ende des Kurses nicht, da die Prüfungsunterlagen zum DSV versendet wurden.


Ich genoss den Nachmittag noch am Strand und da wurde mir klar, das Segeln heute nichts geworden wäre: zuviel Wind!

Wenn der Wind so stark ist, dass der lose Sand über den Strand fegt, dann ist was los.

Hier habe ich mit meinem Handwindmesser 24,9 Knoten in der Spitze gemessen. Für uns Strandsegler ist etwa bei 28 Knoten Schluss (Beginn der Windstärke 7).

Fliegender Sand über dem Gehweg und sich bildende Mini Dünen zwischen den Brettern 🙂

Auf der Rückfahrt habe ich später am Eidersperrwerk noch mehr Wind gemessen.

Also passte ja alles letztlich. Es war ein toller Segelkurs und herrlich warmes und windiges Sommerwetter. Was für ein großes Glück! Der Kurs war zu Ende und ich absolut glücklich das gemacht zu haben. Doch so liebend schnell ich wieder los wollte, es ging nicht. Mehr dazu beim nächsten Mal.

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Pilotenschein-Kurs Tag 1

Hinweis: mein Dank geht an Andreas A., der mir zahlreiche Fotos und Videos zur Verfügung stellte.

Zum Start das Video des Tages. Es zeigt maßgeblich Fahrt 2 (siehe GPS Track unten)…

…. nun aber der Reihe nach.

Im Oktober 2020 (vor der Coronawelle 2) hatte ich das Strandsegeln mit einem Grundkurs wieder aufgenommen nach 10 Jahren und ich wusste: ich will nun MEHR!

Ich war Feuer und Flamme für diesen Sport!

Ich meldete mich also für den 3-tägigen Pilotenschein-Kurs bei Sven & Barbara bei Nordsport Strandsegelschule an. Corona bedingt klappte es nicht im Frühjahr und so wurde es Juni 2021.

Einweisung vor Abfahrt ins Segelgebiet, der Plate von Sankt Peter-Ording. Es war warm, doch ein wenig Schutzkleidung war angesagt.

Bei sonnigen Wetter mit genug Wind ging es los. Vielen Dank und beste Grüße an Andreas A. für Fotos und Videos!

Es wurde eine Startzone im Süden aufgebaut und der Kurs abgesteckt. Der Wind kam von Nord (siehe grauen Pfeil) und unten habe ich mit dem GPS des Smartphone ab und an meine Segelrunden mitgetrackt.

Fahrt 1 – (full screen)

Speed max: ca. 55 km/h
Strecke: 6 km

Das Speedprofil nach Entfernung und Zeit:

Es war alles dabei: langsames Hochkreuzen am Wind zur Luvflagge, schnelle Halbwind Abschnitte, aber auch Stillstand. Ich habe gelernt wie es ist auf Vor-dem-Wind-Kurs zu verhungern, etwas was man auf dem Wasser nie erlebt. Beim Strandsegeln jedoch ist der Fahrtwind die entscheidene Komponente und die hebt sich schnell zu Null auf, zack stehst du. Überhaupt, dass man auf raumen Kursen wie auf Am-Wind-Kurs(!) segelt (Segel dicht ran) widerspricht gänzlich meinen Erfahrungen vom Segelboot.
Es ist einfach eine komplett andere Angelegenheit wenn so viel Geschwindigkeit im Spiel ist. Eine so große Fahrwind Komponente kommt nur noch bei Katamaranen oder den neuen, foilenden Jollen vor. Das sind die Turngeräte im Segelsport schlechthin, nicht vergleichbar mit meinem langsamen, alten Holzpiraten.

Fahrt 2 – (full screen)

Speed max: ca. 45 km/h
Strecke: 3 km

Das Speedprofil nach Entfernung und Zeit:

Ferner hat mich an dem Tag weicher Sand das Fürchten gelehrt. Der hat so einen großen Rollwiderstand, dass du ganz schnell die Fahrt verlierst. Ein kleine Fläche mit ausreichend Schwung zu überfahren ist noch okay, aber wehe man gerät in ein Weichsandgebiet. Dann ist es aus mit Strandsegeln.

Zu guter Letzt ging es zurück zum Hafen (der ohne Wasser) und wir durften zurücksegeln statt abgeschleppt zu werden. Da war viel Kreuzen gegen den Wind aus Nord angesagt. Wie man auf dem GPS Track sehen kann, habe ich schnell die ganze Breite der Sandplate ausgenutzt, um auf Tempo zu kommen. Was für ein Spaß!!!

Da andere Teilnehmer nicht so schnell nachkamen, verlängerte ich meinen Segelspaß durch weniger Höhe laufen, für ein wenig mehr Wenden mit mehr Speed bei Halbwind Kurs (siehe auch das Speedogramm unten).

GROSSARTIG !!

Was für ein toller Tagesausklang:-)

Rückfahrt – (full screen)

Speed max: 37,7 km/h
Strecke: 5 km

Das Speedprofil nach Entfernung und Zeit:

Gefreut habe ich mich auch über meine Mitsegler. Alles sehr nette Leute und wie man dann weiß, ebenso „verrückt“ so eine Randsportart zu erlernen und gar den „Führerschein“ dafür, die Pilotenlizenz zu machen.

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Strandsegeln – Teil 2

Ich habe es wieder getan. Vor gut 10 Jahren hatte ich das erste Mal eine Landyacht gesteuert und darüber hier berichtet. Was soll ich sagen – es hat mich nicht mehr losgelassen und so folgte nach dem 1-Tages-Schnupperkurs von damals nun im Oktober 2020 (vor der zweiten Corona Welle) ein 2-Tages-Grundkurs bei der Nordsport Strandsegelschule.

Geplant war der Kurs für Sa 3.+ So 4.10.2020 in Sankt Peter Ording. Leider war der Wind am Samstag mit bis zu 8 Windstärken viel zu stark – der Kurs fiel aus 🙁

Sonntag, Tag 2 (1) – Nun waren „nur noch“ 5-6 Windstärken angesagt. Es konnte also losgehen 🙂

Zunächst gab es natürlich eine Einweisung ins Revier, Verhaltensregeln, Vorfahrstregeln, etc.

Danach banden wir die Segelwagen zusammen und wurden südlich der Seebrücke gezogen auf die große Sandbank. Ich dachte man könnte sie ganz befahren, aber dies ist nur seewärts möglich, weil zur Landseite hin der Sand zu weich ist. Im Prinzip verlief der Tag 1 dann ähnlich wie der Schnupperkurs von damals.

Hier ein GPS Track (full screen). Wir wurden runter auf die große Sandbank gezogen, knapp 1km südlich der Seebrücke mit dem Pfahlbau Arche Noah ging es los. Notiz: 3,5m² Segel

Speed max: ca. 45 km/h
Strecke: 4 km

Das war´s. Der Kurs war abgelaufen, am nächsten Tag startete ein anderer Kurs. Und was nun mit meinem zweiten Tag?

Hier das Speedprofil nach Distanz und Zeit:

Zum Glück war ich die ganze Woche zum Urlaub noch da in St.Peter-Ording und daher zeitlich flexibel. So begab es sich, dass ich in einem anderen Kurs am Mittwoch, den 7.10.2020, meinen zweiten Grundkursstag nachholen konnte. Der Wind war immer noch reichlich (5+ Bft) und es war viel Regen angesagt.

Zunächst ging es wieder südlich auf die große Sandbank. Dort war ein toller Segelparkour abgesteckt. Der Ablauf lief zunächst wie geplant, aber dann kam es ganz anders. Seht im Video die Einweisung und die Demonstrationsfahrt des Segellehrers mit spektakulären Ende.

Impressionen von der Sandbank

Die Unwetterfront zog auf und direkt über uns hinweg. Da fährt so ein Segelwagen schon mal auf zwei Rädern. Hoppla, zuviel für uns Schüler!
Abbruch, einpacken und dann kam die Regenfront. Kein Schutz weit und breit am Strand bei gut 6-7 Windstärken. Da kannst Du Dich nur wie Kühe auf der Weide mit dem Rücken zum Wetter stellen und abwarten. Brrrrr, unangenehm!

Alles schien vorbei zu sein, betrübt wurden wir in unserer Segelwagen Kolonne zurückgezogen, aber dann hielt unser Lehrer auf dem Trainingsgelände nördlich der Seebrücke doch noch einmal an. Das Wetter hatte sich beruhigt und wir bauten wieder alles auf und genossen noch ein paar tolle Runden, die ich unten mitgeschnitten habe.

Hier die GPS Tracks des Tages:

Erste Fahrt (full screen)

Speed max: ca. 40 km/h
Strecke: ca. 2 km

Hier das Speedprofil nach Distanz und Zeit:


Zweite Fahrt (full screen)

Hier kann man zwei Aufzeichnungsfehler erkennen die eine zu hohe Topspeed von über 60 km/h anzeigt. Wenn man näher vergrößert, sieht man den zackigen Kursverlauf bei den violetten Farbabschnitten.

Speed max: ca. 53 km/h
Strecke: ca. 2,2 km

Hier das Speedprofil nach Distanz und Zeit:


Dritte Fahrt (full screen)

Speed max: knapp 50 km/h
Strecke: ca. 5,3 km

Hier das Speedprofil nach Distanz und Zeit:

Alles in allem war das wieder ein super tolles Erlebnis – Strandsegeln! Achtung: Suchtgefahr!

Wie man den Tracks entnehmen kann habe ich 50 km/h in der Spitze mit diesen schweren Schulungswagen erreicht. Das hat mich im nachhinein sehr überrascht.

Das man mit der Windkraft so schnell unterwegs sein kann ist für mich als Jollensegler ein unglaubliches Erlebnis von Speed und Freiheit. Ich kann jedem nur empfehlen es auch mal zu probieren. Es ist auch viel leichter als Segeln auf dem Wasser und daher für „Landratten“ gut geeignet.

Natürlich ist Strandsegeln eine absolute Randsportart und selten im TV zu finden. Ab und an wird mal kurz darüber berichtet. Hier eine kleine Auswahl:

Hinweis:
dieser Beitrag wurde zuerst hier veröffentlicht: https://www.holzpirat.org/2021/06/strandsegeln-teil-2/